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5 vs. 10 vs. 15 kWp — die richtige Größe für dein Dach

“So viel das Dach hergibt” ist die häufigste Antwort auf die Frage nach der Anlagengröße. Sie ist falsch. Diese Seite zeigt, warum eine 7-kWp-Anlage auf einem 12-kWp-Dach oft sinnvoller ist als die maximale Auslegung — und gibt drei reale Vergleichsrechnungen.

Die wichtigste Erkenntnis: Größe ≠ Wirtschaftlichkeit

Eine größere Anlage produziert mehr Strom — aber nicht jeder zusätzliche kWp ist gleich wirtschaftlich.

Warum: Der Eigenverbrauchsanteil sinkt mit jedem zusätzlichen kWp. Eine 5-kWp-Anlage in einem 4.500-kWh-Haushalt schafft typisch 60-70 % Eigenverbrauch (mit Speicher). Eine 15-kWp-Anlage im selben Haushalt erreicht nur noch 25-30 %. Und die “extra” 10 kWp gehen ins Netz zu 7,78 ct/kWh — gegen 38 ct/kWh Eigenverbrauchs-Ersparnis = ein Rechen-Vorteil von Faktor 5 für die ersten kWp.

Faustregel: kWp ≈ Verbrauch in 1.000 kWh

Eine grobe Daumenregel:

Plus 50 % Aufschlag, wenn du E-Auto oder Wärmepumpe planst (oder schon hast).

Diese Faustregel optimiert für maximalen Eigenverbrauchsanteil, nicht für maximale Erzeugung.

Drei reale Vergleichsrechnungen

Beispiel A: Familie 4.500 kWh, München, Süd-Dach 35°

Anlage5 kWp10 kWp15 kWp
Investition (mit Speicher)12.000 €19.000 €27.000 €
Erzeugung/Jahr5.600 kWh11.200 kWh16.800 kWh
Eigenverbrauchsanteil65 %35 %25 %
Eigenverbrauch3.640 kWh3.920 kWh4.200 kWh
Einspeisung1.960 kWh7.280 kWh12.600 kWh
Cashflow Jahr 11.540 €2.060 €2.480 €
Amortisation8 Jahre9 Jahre11 Jahre
20-Jahres-NPV13.500 €15.200 €14.800 €

5 kWp und 10 kWp sind beide gut. 15 kWp ist trotz höherer absoluter Erzeugung wirtschaftlich schlechter — die “extra” 5 kWp gehen mehrheitlich in Einspeisung zu schwacher Vergütung.

Empfehlung: Wenn das Dach 10 kWp hergibt, ist 10 kWp optimal. Mehr lohnt nur bei höherem Verbrauch.

Beispiel B: Familie + E-Auto 7.000 kWh, Hamburg, Süd-Dach

Anlage5 kWp10 kWp15 kWp
Investition (mit Speicher)12.000 €20.000 €28.500 €
Erzeugung/Jahr4.760 kWh9.520 kWh14.280 kWh
Eigenverbrauchsanteil78 %62 %45 %
Eigenverbrauch3.713 kWh5.902 kWh6.426 kWh
Einspeisung1.047 kWh3.618 kWh7.854 kWh
Cashflow Jahr 11.490 €2.530 €3.040 €
Amortisation8 Jahre8 Jahre9,5 Jahre
20-Jahres-NPV14.000 €22.000 €22.500 €

10 kWp ist klar Sieger. Die zusätzliche kWh wird durch das E-Auto absorbiert, hoher Eigenverbrauch hält sich. 15 kWp lohnt nur leicht mehr.

Beispiel C: Wärmepumpen-Haus 10.000 kWh, Stuttgart

Anlage5 kWp10 kWp15 kWp
Investition (mit Speicher)12.500 €21.000 €30.000 €
Erzeugung/Jahr5.200 kWh10.400 kWh15.600 kWh
Eigenverbrauchsanteil90 %75 %60 %
Eigenverbrauch4.680 kWh7.800 kWh9.360 kWh
Einspeisung520 kWh2.600 kWh6.240 kWh
Cashflow Jahr 11.870 €3.180 €4.050 €
Amortisation6,5 Jahre7 Jahre7,5 Jahre
20-Jahres-NPV22.000 €36.000 €41.000 €

15 kWp ist Sieger. Hoher Verbrauch absorbiert auch große Anlagen. Hier ist “so viel das Dach hergibt” tatsächlich richtig.

Der Eigenverbrauch-Sweet-Spot

Optimaler Eigenverbrauchsanteil liegt bei 60-75 %:

Ziel-Auslegung: Sodass dein Eigenverbrauchsanteil im 60-75 %-Bereich landet.

Reform 2027: noch wichtiger, kleiner zu bauen

Ohne EEG-Vergütung ab 2027 wird der Einspeise-Erlös winzig (~5,5 ct/kWh Marktpreis statt 7,78 ct/kWh EEG). Wirtschaftliche Konsequenz:

→ Mit Reform 2027 sollte die Anlage enger an den Verbrauch dimensioniert werden. Speicher wird wichtiger als Modulanzahl.

Was, wenn das Dach mehr hergibt als wirtschaftlich sinnvoll?

Drei Optionen:

1. Anlage kleiner bauen. Z.B. nur die südliche Hälfte eines großen Dachs nutzen. Konzentriert die Investition.

2. Anlage groß bauen, aber kleinen Speicher. Hohe Erzeugung, viel Einspeisung. Funktioniert wirtschaftlich, aber mit Reform 2027 problematisch.

3. Anlage groß bauen, großen Speicher. Auch die “extra” kWp gehen in den Speicher → Eigenverbrauchsanteil bleibt hoch. Aber: Speicher-Größe muss passen, Investition steigt.

Empfehlung 2026: Option 3, wenn Verbrauch hoch ist. Sonst Option 1.

Wachstums-Reserve: was ist mit zukünftigem E-Auto?

Wenn du planst, ein E-Auto in 2-3 Jahren anzuschaffen, kann eine Überdimensionierung sinnvoll sein:

Anlage heute auf 4.500 kWh dimensionieren = 5 kWp. In 3 Jahren würde 8-10 kWp passen.

Lösung: Heute schon 8-10 kWp bauen. Erst niedriger Eigenverbrauch (~35 %), dann mit E-Auto auf ~65 % steigend.

Vor- und Nachteile:

Wenn Anschaffung E-Auto unsicher: lieber kleiner bauen, später erweitern.

Modul-Auswahl: 400 Wp vs. 500 Wp?

Aktuelle Module 2026: 400-550 Wp pro Modul. Auf einem 50-m²-Dach passen:

Höhere Wp-Module = weniger Module. Vorteile: schnellere Montage, einfachere Verkabelung, oft günstiger pro kWp. Nachteil: ein Modulausfall trifft mehr kWp.

Für 95 % der Anlagen: Module mit 440-480 Wp sind Standard. Premium-HJT-Module (500+ Wp) lohnen nur bei knappem Dach.

FAQ

Kann ich später erweitern? Ja, aber kompliziert. Wechselrichter muss reichen, neue Module sollten zur alten Modul-Generation passen (gleicher Typ, ähnliches Alter). Praktisch: meistens günstiger, gleich richtig groß zu bauen.

Was zählt wirtschaftlich mehr: Eigenverbrauch oder Größe? Eindeutig Eigenverbrauch. Eine 5-kWp-Anlage mit 70 % EV-Anteil schlägt eine 10-kWp-Anlage mit 30 % EV-Anteil bei gleichem Haushalt — beide bringen ähnlichen absoluten Eigenverbrauch, aber die kleinere Anlage kostet halb so viel.

Wie wirkt sich Verschattung auf die Größenwahl aus? Wenn 30 % der Dachfläche verschattet ist, ist die effektive Anlagengröße kleiner. Verschattete Module produzieren auch andere Module schlechter (String-Effekt). Mit Optimizern oder Modulwechselrichtern abmildern.

Lohnt sich Aufständerung auf Flachdach? Aufständerung erhöht Ertrag um 5-10 %, kostet aber 200-400 €/kWp extra. Bei großen Dächern lohnt es. Bei kleinen meist nicht.

Vertieft im Pillar-Artikel

Die Anlagengröße ist eine zentrale Entscheidung — aber sie hängt mit Ausrichtung, Speicher und Reform 2027 zusammen. Im Pillar-Artikel Lohnt sich Photovoltaik 2026? ist alles verzahnt erklärt, mit Decision-Tree.

Quellen