Korrekturhinweis (22.09.2026): Die Fassung dieses Artikels vom 25.04.2026 enthielt eine Vergleichsrechnung mit Kapitalwerten von 18.420 € (Süd) und 17.250 € (Ost-West), Eigenverbrauchsanteilen von 62 und 68 %, eine Stundentabelle der Erzeugung, die Aussage „Im 2027-Szenario gewinnt Ostwest“ mit 13.000 gegen 13.450 € sowie Mehrkosten für Ost-West (5–10 %, 200–400 € Installation, 400–1.200 € für Optimierer und Modulwechselrichter). Keine dieser Zahlen ließ sich mit unserem Rechner nachvollziehen oder war belegt; die Kapitalwerte lagen um ein Vielfaches zu hoch. Alle Zahlen unten stammen aus einer Rechnung vom 22.09.2026 mit dem Rechenweg unseres Rechners.
Eine Ost-West-Anlage erzeugt bei gleicher Leistung 16 bis 22 % weniger Strom als eine Süd-Anlage, und der höhere Eigenverbrauch gleicht das nicht aus: Er steigt nur um 35 bis 84 kWh im Jahr. Wirtschaftlich ist Ost-West in unserem Rechner trotzdem: Bei 10 kWp, 15° Neigung und 4.500 kWh Verbrauch kommt die Anlage über 20 Jahre auf einen Kapitalwert von +151 € in Hamburg, +864 € in Kassel und +2.215 € in München. Wer ein Ost-West-Dach hat, sollte die Anlage eher kleiner auslegen und flach montieren.
Die Rechnung: Süd gegen Ost-West
Gerechnet haben wir eine 10-kWp-Anlage an drei Standorten mit geltender Einspeisevergütung, einmal nach Süden (35° Neigung), einmal auf zwei Dachhälften nach Osten und Westen (je 5 kWp, mit 35° und mit 15° Neigung). Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch, ohne Speicher.
| Standort | Variante | Erzeugung | Eigenverbrauch | Anteil | Autarkie | Kapitalwert 20 J. | Amortisation |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | Süd 35° | 9.605 kWh | 1.606 kWh | 16,7 % | 35,7 % | +1.524 € | 12,7 J. |
| Hamburg | Ost-West 35° | 7.608 kWh | 1.676 kWh | 22,0 % | 37,2 % | −114 € | 14,1 J. |
| Hamburg | Ost-West 15° | 7.921 kWh | 1.664 kWh | 21,0 % | 37,0 % | +151 € | 13,9 J. |
| Kassel | Süd 35° | 9.974 kWh | 1.713 kWh | 17,2 % | 38,1 % | +2.511 € | 12,0 J. |
| Kassel | Ost-West 35° | 7.960 kWh | 1.760 kWh | 22,1 % | 39,1 % | +544 € | 13,5 J. |
| Kassel | Ost-West 15° | 8.333 kWh | 1.748 kWh | 21,0 % | 38,8 % | +864 € | 13,3 J. |
| München | Süd 35° | 11.203 kWh | 1.738 kWh | 15,5 % | 38,6 % | +3.852 € | 11,2 J. |
| München | Ost-West 35° | 8.781 kWh | 1.822 kWh | 20,8 % | 40,5 % | +1.814 € | 12,6 J. |
| München | Ost-West 15° | 9.219 kWh | 1.814 kWh | 19,7 % | 40,3 % | +2.215 € | 12,3 J. |
Anteil = Eigenverbrauch geteilt durch Erzeugung. Autarkie = Eigenverbrauch geteilt durch Jahresverbrauch. Kapitalwert = alle Zahlungen über 20 Jahre, mit 4 % pro Jahr abgezinst, minus Anschaffungspreis. Erzeugung im ersten Jahr.
Drei Befunde:
- Ost-West erzeugt deutlich weniger. Mit 35° Neigung sind es 20 bis 22 % weniger als bei Süd, mit 15° Neigung 16 bis 18 % weniger.
- Der Eigenverbrauch steigt kaum. Ost-West liefert morgens und abends mehr, mittags weniger — aber der Haushalt nutzt dadurch nur 35 bis 84 kWh im Jahr mehr selbst. Bei rund 37 ct/kWh sind das 13 bis 31 € im ersten Jahr.
- Der Kapitalwert liegt 1.370 bis 2.040 € unter der Süd-Anlage. Den Mehrertrag der Süd-Anlage nutzt der Haushalt kaum selbst, er wird fast vollständig eingespeist — genau diese Einspeisevergütung (7,70 ct/kWh bis 10 kWp) fehlt der Ost-West-Anlage.
Warum der höhere Eigenverbrauchsanteil täuscht
Oft heißt es, Ost-West lohne sich durch den höheren Eigenverbrauch. Der Anteil steigt in unserer Rechnung tatsächlich, in Kassel von 17,2 auf 22,1 %. Er steigt aber vor allem, weil im Nenner weniger Erzeugung steht: 1.760 kWh von 7.960 kWh sind mehr Prozent als 1.713 kWh von 9.974 kWh. Für die Stromrechnung zählen die Kilowattstunden, nicht der Anteil — und die unterscheiden sich um 47 kWh.
Ohne Speicher deckt keine der neun Varianten mehr als 41 % des Jahresverbrauchs (Autarkie in der Tabelle). Der größere Teil des Verbrauchs fällt in Stunden, in denen auch die Ost-West-Anlage nicht genug liefert — die breitere Erzeugungskurve ändert daran wenig.
Mit Speicher: Ost-West profitiert weniger
Mit einem 5-kWh-Speicher kehrt sich das Bild beim Eigenverbrauch um. Der Speicher lebt vom Mittagsüberschuss — und den hat die Süd-Anlage.
| Standort | Variante | Eigenverbrauch | Autarkie | Kapitalwert 20 J. | Änderung durch den Speicher |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | Süd 35° | 2.958 kWh | 65,7 % | +1.574 € | +50 € |
| Hamburg | Ost-West 15° | 2.856 kWh | 63,5 % | −588 € | −739 € |
| Kassel | Süd 35° | 3.143 kWh | 69,8 % | +2.964 € | +453 € |
| Kassel | Ost-West 15° | 3.057 kWh | 67,9 % | +586 € | −278 € |
| München | Süd 35° | 3.270 kWh | 72,7 % | +4.784 € | +932 € |
| München | Ost-West 15° | 3.251 kWh | 72,2 % | +2.627 € | +412 € |
10 kWp, 4.500 kWh, Speicher 5 kWh zu 800 €/kWh, Tausch im 13. Jahr zu 70 % des Preises (Annahmen unseres Rechners).
Mit Speicher nutzt der Haushalt bei Ost-West weniger selbst als bei Süd (19 bis 101 kWh im Jahr). In Hamburg und Kassel senkt der Speicher bei Ost-West den Kapitalwert, bei Süd hebt er ihn an allen drei Standorten. Für Ost-West ist ein Speicher in unserem Modell also die schwächere Ergänzung. Mehr zur Speicherfrage: Lohnt sich ein PV-Speicher?
Wie groß sollte eine Ost-West-Anlage sein?
Auf einem Ost-West-Dach sind oft beide Dachhälften frei — die Versuchung ist groß, sie ganz zu belegen. Für Kassel, 15° Neigung, 4.500 kWh Verbrauch, ohne Speicher:
| Anlage (je Hälfte) | Erzeugung | Eigenverbrauch | Anschaffung (Modell) | Kapitalwert 20 J. | Amortisation |
|---|---|---|---|---|---|
| 6 kWp (2 × 3) | 5.000 kWh | 1.571 kWh | 9.700 € | +2.062 € | 11,8 J. |
| 8 kWp (2 × 4) | 6.666 kWh | 1.677 kWh | 12.100 € | +1.555 € | 12,6 J. |
| 10 kWp (2 × 5) | 8.333 kWh | 1.748 kWh | 14.500 € | +864 € | 13,3 J. |
| 12 kWp (2 × 6) | 9.999 kWh | 1.799 kWh | 16.700 € | +112 € | 13,9 J. |
| 15 kWp (2 × 7,5) | 12.499 kWh | 1.853 kWh | 20.000 € | −1.143 € | 14,7 J. |
Von 6 auf 15 kWp steigt die Erzeugung auf das 2,5-Fache, der Eigenverbrauch aber nur um rund 280 kWh. Jedes weitere kWp wird fast nur eingespeist, und das holt die Mehrkosten von rund 1.100 bis 1.200 € je kWp in unserem Modell nicht herein. Das ist dasselbe Muster wie beim Süddach (Anlagengröße nachgerechnet) — nur ausgeprägter, weil Ost-West je kWp weniger erzeugt.
Zum Vergleich: Nur eine Dachhälfte mit 5 kWp käme in Kassel auf +1.450 bis +1.853 € (je nach Seite und Neigung, West jeweils vor Ost). Eine 6-kWp-Anlage auf beiden Hälften liegt bei gleicher Neigung darüber: +1.957 € mit 35°, +2.062 € mit 15°.
Flach oder steil?
Bei Ost-West ist die flachere Neigung besser: Mit 15° erzeugt die Anlage in unserer Rechnung 4 bis 5 % mehr als mit 35°, der Kapitalwert liegt 265 bis 401 € höher. Die Neigung ist beim Steildach durch das Dach vorgegeben. Auf einem Flachdach mit Aufständerung lässt sie sich wählen — dort spricht die Rechnung für einen flachen Winkel.
Und ab 2027?
Der Regierungsentwurf zur EEG-Novelle (BT-Drucksache 21/7867, noch nicht beschlossen) sieht für Neuanlagen ab 2027 keine feste Vergütung mehr vor, sondern eine Übergangszahlung von 5,2 ct/kWh für höchstens 36 Monate. Danach rechnet unser Modell mit 1,2 ct/kWh nach Abzug der Vermarktungskosten — das ist die schwächste Annahme des Rechners, hergeleitet auf der Methodik-Seite.
In diesem Szenario wird eingespeister Strom wenig wert, und damit verliert der Mehrertrag des Süddachs fast seinen Wert:
| Standort | Süd 35° | Ost-West 35° | Ost-West 15° | Vorsprung Süd |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg | −4.368 € | −4.483 € | −4.455 € | 87 bis 115 € |
| Kassel | −3.566 € | −4.041 € | −4.003 € | 437 bis 475 € |
| München | −3.114 € | −3.312 € | −3.240 € | 126 bis 198 € |
Kapitalwert 20 J., 10 kWp, 4.500 kWh, ohne Speicher, Szenario Reform 2027. Ohne die geplante Einspeisegrenze.
Dazu kommt die geplante Einspeisegrenze von 50 % der Anlagenleistung. Sie kappt die Mittagsspitze — die hat vor allem das Süddach. Nach unserer Rechnung zur Einspeisegrenze verliert eine 10-kWp-Süd-Anlage mit 4.000 kWh Verbrauch 778 bis 1.083 kWh im Jahr, eine Ost-West-Anlage 20 bis 63 kWh. Bewertet mit den Sätzen des Reformszenarios und 4 % Zins entspricht das beim Süddach rund 210 bis 290 € Kapitalwert, bei Ost-West 5 bis 17 €. Diese Abschätzung beruht auf dem etwas niedrigeren Verbrauch jener Rechnung.
Zusammen heißt das: Ab 2027 liegen Süd und Ost-West in unserer Rechnung nah beieinander. Mit Einspeisegrenze liegt in Hamburg und München Ost-West um rund 70 bis 150 € vorn, in Kassel Süd um rund 210 bis 250 € — über 20 Jahre und bei Anschaffungskosten von 14.500 €. Dass beide Kapitalwerte negativ sind, hängt stark an der Annahme für die Zeit nach der Übergangszahlung; ein Speicher oder zusätzliche Verbraucher wie Wärmepumpe und E-Auto sind hier nicht gerechnet.
Was die Rechnung nicht zeigt
- Gleiche Anschaffungskosten. Unser Rechner setzt für Ost-West denselben Preis an wie für Süd. Zwei Dachhälften brauchen mehr Montage und eine passende Verschaltung; ob das dein Angebot verteuert, zeigt nur das Angebot selbst.
- Keine Verschattung. Ein Baum oder Nachbarhaus, der eine Dachseite morgens oder abends verschattet, trifft Ost-West stärker, weil jede Hälfte nur zu ihrer Tageszeit liefert.
- Ein Haushalt ohne Wärmepumpe und E-Auto. Wer abends ein Auto lädt, nutzt den späten Weststrom eher selbst. Beziffern können wir das mit unserem Lastprofil nicht.
- Drei Standorte, zwei Neigungen. Andere Neigungen, Nordost/Südwest-Dächer oder ungleich belegte Dachhälften haben wir nicht gerechnet.
Was du im Angebot prüfen solltest
- Wie die beiden Dachhälften verschaltet sind. Ost- und Westmodule liefern zu verschiedenen Zeiten; lass dir erklären, wie der Wechselrichter damit umgeht.
- Wie groß die Anlage wirklich sein muss. Ein volles Dach ist bei Ost-West selten das wirtschaftliche Optimum — rechne zwei oder drei Größen durch.
- Ob ein Speicher sich rechnet. Bei Ost-West ist der Nutzen in unserem Modell kleiner als bei Süd.
Deine eigene Rechnung
Unser Rechner nimmt je Abfrage eine Ausrichtung; eine Ost-West-Anlage kannst du dort nicht direkt eingeben. Rechnest du Ost- und Westhälfte getrennt, addiert sich die Erzeugung — Eigenverbrauch und Kapitalwert lassen sich so aber nicht zusammensetzen, weil sie aus der gemeinsamen Stundenkurve entstehen. Für Ost-West nimm die Tabellen oben. Alle 55 Fälle dieses Artikels mit allen Kennzahlen stehen als Datensatz zum Download (CC BY 4.0): ostwest-sued-vergleich.csv (auch als JSON).
So haben wir gerechnet
Stündliche Erzeugung aus PVGIS (EU-Kommission, SARAH3, repräsentatives Jahr aus 2005–2023, wie im Rechner, Systemverluste 14 %) für beide Dachhälften getrennt, Stunde für Stunde addiert, dann durch dieselbe Speicher- und Lastsimulation und dieselbe 20-Jahres-Rechnung wie unser Rechner: Strompreis im ersten Jahr 37,0 ct/kWh mit 3 % Steigerung, 4 % Kalkulationszins, 1 % Betriebskosten, 10 kWp zu 14.500 €. Kontrolle: Für reine Süd-, Ost- und Westanlagen liefert unser Rechenweg dieselben Werte wie die öffentliche Rechner-Schnittstelle. Alle Annahmen stehen auf der Methodik-Seite.
Quellen
- Eigene Rechnung vom 22.09.2026 mit dem Rechenweg des voltaplan-Rechners (Hamburg 20095, Kassel 34117, München 80331)
- voltaplan Methodik — Rechenmodell, Preis- und Kostenannahmen
- PVGIS — EU JRC — Strahlungsdaten
- Einspeisegrenze 50 %: nachgerechnet — Abregelung Süd und Ost-West
- BT-Drucksache 21/7867 (Regierungsentwurf EEG-Novelle): Reform 2027