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Reform Einspeisevergütung 2027 — was wirklich passiert

Der Arbeitsentwurf der EEG-Reform 2027 ist im Bundestags-Verfahren. Sein Kern: Die Garantievergütung für Photovoltaik-Neuanlagen wird ab 01.01.2027 abgeschafft. Stattdessen Direktvermarktung am Strommarkt. Was das konkret bedeutet — und warum 2026 das letzte Jahr für planbare Cashflow-Renditen ist.

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Was steht im Reform-Entwurf?

Die wichtigsten Eckpunkte (Stand 04/2026, Arbeitsentwurf):

  1. Abschaffung der EEG-Vergütung für Neuanlagen ab 01.01.2027. Anlagen, die ab diesem Datum erstmals einspeisen, bekommen keinen festen ct/kWh-Satz mehr.
  2. Bestandsschutz für 2026er-Anlagen über volle 20 Jahre (also bis 2046).
  3. Direktvermarktungs-Pflicht für Anlagen ab 2027 — vermittelt durch zertifizierte Aggregatoren.
  4. Übergangsregeln möglich, aber nicht gesichert. Der Bundesrat verhandelt aktuell.

Quelle: BMWK-Arbeitsentwurf vom 03.2026 (intern, durchgesickert; offizielle Veröffentlichung Q3 2026 erwartet).

Warum überhaupt eine Reform?

Drei Hauptgründe werden vorgebracht:

1. Kostenargument: Die EEG-Förderung kostet den Bundeshaushalt jährlich ~10 Mrd. €. Mit fallenden Modulpreisen (~50 % billiger als 2018) ist die Garantie-Notwendigkeit gesunken — zumindest aus Sicht des Bundesrechnungshofs.

2. Markt-Argument: Solar-Strom soll sich am Markt selbst behaupten. Ein subventionierter Mindestpreis verhindert Marktsignal-Effekte (z.B. dass mittags bei Sonnen-Glut Speicher gebaut werden, nicht weiter Solar).

3. Solarspitzengesetz-Logik: Bereits 2025 wurde mit dem Solarspitzengesetz die Idee eingeführt, dass bei Markt-Überschuss keine Vergütung gezahlt wird. Die Reform 2027 ist eine konsequente Fortsetzung.

Gegenargumente (BSW-Solar, Verbraucherzentrale):

Was ist Direktvermarktung?

Statt fester Vergütung verkaufst du deinen eingespeisten Strom am Strommarkt — vermittelt durch einen Direktvermarkter (Aggregator). Bekannte Anbieter:

Funktionsweise:

  1. Aggregator schließt einen Vertrag mit dir — typisch 1-2 % Vermittlungs-Gebühr.
  2. Dein Strom wird stündlich an der EPEX-Spot-Börse verkauft.
  3. Du bekommst den Marktwert minus Gebühr.
  4. Marktwert variiert: nachts hoch, mittags niedrig (Solar-Glut drückt Preis).

Aktuelle Marktpreise (Q2 2026):

Das Problem: Solar-Strom wird dann produziert, wenn der Preis am niedrigsten ist. Direktvermarktungs-Erlöse für PV-Privatanlagen liegen typisch bei 3-6 ct/kWh — deutlich unter den heutigen 7,78 ct/kWh EEG.

Wirtschaftlicher Vergleich 2026 vs. 2027

Beispielanlage: 5,3 kWp, Süd-Dach München, 7,5 kWh Speicher, 4.500 kWh Verbrauch.

Posten2026 mit EEG2027 ohne EEG
Erzeugung5.937 kWh5.937 kWh
Eigenverbrauch (62 %)3.681 kWh3.681 kWh
Einspeisung2.256 kWh2.256 kWh
Einspeise-Erlös pro Jahr175 €~125 € (Marktwert)
Eigenverbrauchs-Ersparnis~1.400 €~1.400 €
Cashflow Jahr 1~1.575 €~1.525 €
20-Jahres-Total~22.700 €~17.300 €
Differenz−5.400 €

→ Die Reform kostet diese Anlage über 20 Jahre rund 5.400 €. Für andere Konfigurationen (höhere Einspeisung, schwächerer Eigenverbrauch) kann die Differenz auf 7.000-11.000 € steigen.

Wer ist am stärksten betroffen?

Drei Konfigurationen leiden am meisten unter der Reform:

1. Niedriger Eigenverbrauch (<40 %) — typisch ohne Speicher. Beispiel: 10 kWp, ohne Speicher, 4.000 kWh Verbrauch. Eigenverbrauchsanteil ~22 %, Einspeisung 78 % der Erzeugung. Reform-Verlust: ~9.500 € über 20 Jahre.

2. Großes Süd-Dach mit hoher Einspeisung. Beispiel: 15 kWp Süd, 5.000 kWh Verbrauch. Eigenverbrauchsanteil ~25 %. Reform-Verlust: ~11.500 €.

3. Anlage ohne Speicher allgemein — egal welche Größe.

Wer kommt mit Reform 2027 zurecht?

Drei Konfigurationen leiden weniger:

1. Hoher Eigenverbrauch (>70 %) — Speicher + E-Auto + Wärmepumpe. Eigenverbrauchsanteil 78 %, Einspeisung nur 22 %. Reform-Verlust: ~2.800 € über 20 Jahre.

2. Ostwest-Anlage mit Speicher. Verteilte Erzeugung über den Tag → höherer Eigenverbrauch automatisch. Verlust ähnlich wie hoher Eigenverbrauch.

3. Mit qualifiziertem Direktvermarkter (Lichtblick, Next Kraftwerke). Bessere Konditionen als Spotmarkt-Standard. Manche bieten dynamische Tarife mit eingebautem Speicher-Management → bis zu 1-2 ct/kWh mehr Erlös.

Timeline — wann wird was entschieden?

DatumEvent
Q1 2026Reform-Entwurf im Bundeskabinett
Q2 2026Erste Bundestags-Lesung
Q3 2026Bundesrats-Befassung, Vermittlungsausschuss möglich
Q3-Q4 2026Finales Inkrafttreten der Reform-Fassung
31.12.2026 23:59Stichtag für Inbetriebnahme mit alter Vergütung
01.01.2027Neuanlagen ohne EEG-Garantie

Wichtig: “Inbetriebnahme” = Marktstammdatenregister-Anmeldung + Netzbetreiber-Aktivierung, nicht Auftragsdatum. Wer 2026 bestellt, aber erst 2027 eingespeist hat, fällt unter die Reform.

Was du JETZT konkret tun kannst

Wenn du 2026 bauen willst (empfohlen):

  1. Bis September 2026 den Vertrag unterzeichnen.
  2. Inbetriebnahme bis Dezember 2026 sicherstellen.
  3. Speicher mitbestellen — auch ohne Reform sinnvoll.
  4. Marktstammdatenregister-Termin mit dem Installateur klären.

Wenn du erst 2027 baust:

  1. Direktvermarkter im Voraus auswählen (Lichtblick, Next Kraftwerke).
  2. Größerer Speicher (10+ kWh) wirtschaftlich kritisch.
  3. Wärmepumpe + E-Auto-Kombi — Eigenverbrauch maximieren.
  4. Realistische Erwartung: Amortisation 2-3 Jahre länger als bei 2026er-Anlage.

Kann die Reform noch gestoppt werden?

Theoretisch ja. Politisch unwahrscheinlich.

Realistisches Szenario: Eine Form der Reform kommt — vielleicht milder als der Entwurf, aber mit signifikantem Vergütungs-Einschnitt.

FAQ

Was passiert mit Bestandsanlagen nach 2027? Nichts ändert sich. Vergütung läuft 20 Jahre wie zugesagt.

Kann ich auch nach 2027 noch eine “alte” Anlage bekommen? Nein. Die Förderung ist an die Inbetriebnahme gekoppelt, nicht an Vertragsdatum.

Wirkt die Reform rückwirkend? Nein. Bestandsschutz ist juristisch fast immer geschützt (Vertrauensschutz nach BVerfG-Rechtsprechung).

Lohnt sich PV ohne EEG-Vergütung überhaupt noch? Mit hohem Eigenverbrauch und Speicher: ja, aber Amortisation 2-3 Jahre länger. Ohne Speicher und mit niedrigem Eigenverbrauch: knapp.

Vertieft im Pillar-Artikel

Die Reform 2027 ist ein zentraler Entscheidungs-Faktor — aber nur einer. Im Pillar-Artikel Lohnt sich Photovoltaik 2026? findest du das vollständige Framework, das Reform-Auswirkung, Eigenverbrauch und Speicher zusammendenkt.

Quellen