Korrekturhinweis (20.09.2026): Die Fassung dieses Artikels vom 25.04.2026 enthielt ein Rechenbeispiel, das sich mit unserem eigenen Rechner nicht reproduzieren ließ: Break-even im Jahr 8,4 (tatsächlich 10,6), ein Eigenverbrauchsanteil von „~62 %“ (tatsächlich 54,7 %), eine Einspeisevergütung von 7,78 ct/kWh (seit dem 01.08.2026: 7,70 ct) und eine Modul-Degradation, die über 20 Jahre mit „5 %“ angesetzt war, während 0,5 % pro Jahr auf rund 9 % führen. Dazu kamen zwei Tabellen mit Amortisations-Bandbreiten ohne Quelle und ein Speicher-Ersatzpreis von „~50 % des Originalpreises“, der der Annahme unseres Modells (70 %) widersprach. Alle Zahlen unten sind entweder über unsere öffentliche Rechner-API abgefragt oder als Modellannahme gekennzeichnet.
Aktualisiert am 21.09.2026: Unser Rechner rechnet seit dem Abend des 20.09.2026 mit einem Strompreis von 37,0 statt 38,1 ct/kWh im ersten Jahr (BDEW-Tarifdurchschnitt 2026) und im Szenario 2027 mit der Übergangszahlung des Regierungsentwurfs statt pauschal 5,5 ct/kWh. Alle Rechnerwerte sind neu abgefragt. Für das Beispiel unten: Amortisation 10,9 statt 10,6 Jahre, Kapitalwert +2.674 statt +3.246 €.
Wie lange dauert es, bis eine PV-Anlage ihre Kosten eingespielt hat? Diese Anleitung zeigt den Rechenweg an einem Beispiel, das wir vollständig nachgerechnet haben — mit allen Annahmen offengelegt und den typischen Fehlern, die die Zahl zu optimistisch aussehen lassen.
Die simple Formel — und warum sie ungenau ist
Die einfachste Variante: Investition / jährliche Ersparnis = Amortisation in Jahren.
Beispiel aus dem Fall unten: 14.860 € Investition / 1.408 € Erlös im ersten Jahr = 10,6 Jahre.
Das ignoriert fünf Faktoren, die in unserem Modell stecken:
- Strompreis-Steigerung (Annahme 3 %/Jahr)
- Modul-Degradation (0,5 %/Jahr)
- Speicher-Degradation (2 %/Jahr) und Speicher-Tausch im 13. Jahr
- Betriebskosten (1 %/Jahr der Investition)
- Diskontierung mit 4 % Kalkulationszins (Geldzeitwert)
Die erste Steigerung macht die Anlage besser, die übrigen vier schlechter. Deshalb kann die genauer gerechnete Amortisation in beide Richtungen um ein bis zwei Jahre von der einfachen Division abweichen.
Der Rechenweg an einem nachgerechneten Beispiel
Alle Werte in diesem Abschnitt stammen aus einer Abfrage unserer öffentlichen API am 21.09.2026: München (80331), Süddach 35°, 5,3 kWp, 4.500 kWh Jahresverbrauch, 7,5 kWh Speicher, geltende Vergütung.
Schritt 1: Jahresertrag. PVGIS liefert für diesen Standort und diese Ausrichtung einen spezifischen Ertrag von 1.120 kWh/kWp. Dieser Wert enthält die Systemverluste bereits (Performance Ratio 0,85 — Wechselrichter, Verkabelung, Verschmutzung); er darf also nicht noch einmal damit multipliziert werden. Das ist die häufigste Verwechslung an dieser Stelle.
5,3 kWp × 1.120 kWh/kWp = 5.937 kWh Jahresertrag
Schritt 2: Eigenverbrauch und Einspeisung aufteilen. Diesen Schritt kann man nicht überschlagen — er kommt in unserem Rechner aus einer stündlichen Jahressimulation (PVGIS-Stundenwerte gegen ein H0-nahes Haushaltslastprofil, Speicherbetrieb mit 90 % nutzbarer Kapazität und 90 % Round-Trip-Wirkungsgrad). Für diesen Fall:
- Eigenverbrauchsanteil 54,7 % → Eigenverbrauch 3.246 kWh
- Einspeisung 2.691 kWh
- Autarkiegrad 72,1 %
Schritt 3: Erlöse im ersten Jahr.
- Ersparnis Eigenverbrauch: 3.246 kWh × 37,0 ct/kWh = 1.201 € (der Rechner weist 3.246 kWh als Kennwert aus; im ersten Jahr selbst sind es 3.260 kWh — der Unterschied von rund 5 € ändert am Rechenweg nichts)
- Einspeisevergütung: 2.691 kWh × 7,70 ct/kWh = 207 €
- Summe: 1.408 €
Schritt 4: Kosten im ersten Jahr. Betriebskosten pauschal 1 % der Investition: 14.860 € × 1 % = 149 €. Darin sind Reinigung, Versicherung und die Rücklage für den Wechselrichter zusammengefasst — unser Modell führt diese Posten nicht getrennt.
Schritt 5: Netto-Cashflow im ersten Jahr. 1.408 € − 149 € = 1.259 €.
Schritt 6: Über 20 Jahre projizieren. Der Strompreis steigt mit 3 %/Jahr, der Ertrag sinkt mit 0,5 %/Jahr, im 13. Jahr fällt der Speicher-Tausch an (7,5 kWh × 800 €/kWh × 70 % = 4.200 €), alle Zahlungen werden mit 4 % diskontiert.
Ergebnis aus dem Rechner:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Investition | 14.860 € |
| Amortisation | 10,9 Jahre |
| Kapitalwert nach 20 Jahren | +2.674 € |
| Summe der Ersparnisse über 20 Jahre (nicht diskontiert) | 26.163 € |
Was die einfache Division verfehlt: Mit dem Erlös des ersten Jahres (1.408 €) ergibt sie 10,6 Jahre, mit dem Netto-Cashflow (1.259 €) dagegen 11,8 Jahre. Der genauer gerechnete Wert liegt bei 10,9 Jahren — dazwischen, weil die Strompreis-Steigerung ihn verkürzt, während Diskontierung, Degradation und Speicher-Tausch ihn verlängern. Die naive Zahl landet hier also zufällig nahe am richtigen Wert, aus zwei Gründen, die sich gegenseitig aufheben. Verlässlich ist das nicht — bei einer anderen Speichergröße oder einem anderen Verbrauch fallen die beiden Effekte unterschiedlich stark aus.
Was der Speicher in diesem Beispiel bewirkt
Dieselbe Anlage, nur die Speichergröße verändert (gleiche Abfrage, 21.09.2026):
| ohne Speicher | 5 kWh | 7,5 kWh | |
|---|---|---|---|
| Investition | 8.860 € | 12.860 € | 14.860 € |
| Eigenverbrauchsanteil | 26,2 % | 49,2 % | 54,7 % |
| Autarkiegrad | 34,5 % | 65,0 % | 72,1 % |
| Amortisation | 10,0 J. | 10,1 J. | 10,9 J. |
| Kapitalwert 20 J. | +4.013 € | +4.190 € | +2.674 € |
Der Speicher hebt den Autarkiegrad stark (von 34,5 auf 72,1 %), die Amortisation wird dadurch aber nicht kürzer, sondern länger. Nach Kapitalwert ist die 5-kWh-Variante hier die beste. Ausführlich mit neun gerechneten Fällen: Wann sich ein Batteriespeicher rechnet.
Die typischen Fehler
Fehler 1: Performance Ratio doppelt anwenden. Der spezifische Ertrag aus PVGIS enthält die Systemverluste schon. Wer 1.120 kWh/kWp noch einmal mit 0,85 multipliziert, rechnet mit 5.045 statt 5.937 kWh und macht die Anlage um 15 % schlechter, als sie ist.
Fehler 2: Konstanter Strompreis. Viele Rechner nehmen den heutigen Preis für alle 20 Jahre. Mit der Annahme 3 %/Jahr werden aus 37,0 ct im ersten Jahr rund 65 ct im zwanzigsten (19 Steigerungsschritte, 37,0 × 1,03^19 = 64,8 ct). Das macht die Anlage besser, weil der Eigenverbrauch wertvoller wird. Unser Modell startet bei 37,0 ct — dem BDEW-Tarifdurchschnitt für 2026.
Fehler 3: Degradation falsch hochrechnen. 0,5 % pro Jahr sind nach 19 Jahren nicht 5 %, sondern rund 9 %: Aus 5.937 kWh werden etwa 5.400 kWh. Die Verwechslung von Jahres- und Gesamtwert verkürzt die gerechnete Amortisation.
Fehler 4: Speicher-Tausch weglassen. Unser Modell setzt eine Lebensdauer von 13 Jahren an und danach einen Ersatz zu 70 % des Ausgangspreises. Bei 7,5 kWh sind das 4.200 € im 13. Jahr. Ob Speicher bis dahin so viel günstiger werden, ist eine offene Frage — die 70 % sind eine Annahme, keine Prognose.
Fehler 5: Betriebskosten weglassen. Eine Anlage braucht keine Wartung im klassischen Sinn, aber Reinigung, Versicherung und irgendwann einen neuen Wechselrichter. Unser Modell fasst das mit 1 % der Investition pro Jahr zusammen — im Beispiel 149 € im ersten Jahr, über 20 Jahre knapp 3.000 €.
Fehler 6: Diskontierung weglassen. 1.300 € in zwanzig Jahren sind heute weniger wert als 1.300 € jetzt. Mit 4 % Kalkulationszins verschiebt sich die Amortisation nach hinten und der Kapitalwert fällt deutlich niedriger aus als die nicht diskontierte Ersparnissumme (im Beispiel 2.674 € gegen 26.163 €).
Amortisation nach Konfiguration
Diese Werte sind mit demselben Rechner erzeugt (Süddach 35°, geltende Vergütung, Abfragen vom 21.09.2026), jeweils Hamburg / Kassel / München:
| Konfiguration | ohne Speicher | 5 kWh | 10 kWh |
|---|---|---|---|
| 5 kWp, 3.000 kWh Verbrauch | 13,4 / 12,6 / 11,8 J. | 16,1 / 15,3 / 11,8 J. | über 20 / über 20 / 18,4 J. |
| 5 kWp, 4.500 kWh | 11,3 / 10,7 / 9,9 J. | 11,6 / 11,0 / 10,1 J. | 17,7 / 16,9 / 15,4 J. |
| 10 kWp, 4.500 kWh | 12,7 / 12,0 / 11,2 J. | 13,9 / 11,6 / 10,7 J. | 16,7 / 15,8 / 11,9 J. |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Der Verbrauch verändert die Amortisation stärker als der Standort — zwischen 3.000 und 4.500 kWh liegen bei 5 kWp rund zwei Jahre, zwischen Hamburg und München rund 1,5. Zweitens: Ein 10-kWh-Speicher verlängert die Amortisation in jedem dieser Fälle.
Nicht in diesen Zahlen enthalten sind Wärmepumpe und E-Auto. Beide erhöhen den Verbrauch und damit den Eigenverbrauchsanteil, unser Modell bildet sie aber nicht ab — Konfigurationen mit Wärmepumpe oder E-Auto können wir deshalb nicht seriös beziffern.
Wie verändert die Reform 2027 die Amortisation?
Für dasselbe Beispiel (München, 5,3 kWp, 4.500 kWh) rechnet unser Reform-Szenario:
| 2026 | Szenario 2027 | |
|---|---|---|
| ohne Speicher | 10,0 J. / +4.013 € | 13,1 J. / +790 € |
| 5 kWh Speicher | 10,1 J. / +4.190 € | 11,6 J. / +1.865 € |
| 7,5 kWh Speicher | 10,9 J. / +2.674 € | 15,0 J. / +575 € |
Das Szenario 2027 unseres Rechners folgt seit dem 20.09.2026 dem Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/7867): 5,2 ct/kWh Übergangszahlung für höchstens 36 Monate, danach 1,2 ct/kWh als Näherung für den Netto-Erlös aus der Direktvermarktung. Diese 1,2 ct sind die schwächste Annahme des Modells — eine gerundete Ableitung aus der PV2027-Studie, kein amtlicher Wert (Methodik, Abschnitt 5). Nicht eingerechnet ist die geplante Einspeisegrenze von 50 % der Anlagenleistung; sie würde alle drei Varianten weiter verschlechtern, denn ein Speicher im normalen Betrieb ist vor der Mittagsspitze meist schon voll und senkt die Abregelung nur wenig (Einspeisegrenze 50 %).
Zwei Befunde: Der Kapitalwert der Anlage ohne Speicher fällt von rund 4.000 auf rund 800 €, und der 5-kWh-Speicher wird im Szenario 2027 zur klar besten Variante (+1.865 gegen +790 € ohne Speicher). Der größere 7,5-kWh-Speicher bleibt dagegen auch 2027 schlechter als der kleine. Die 15,0 Jahre Amortisation bei 7,5 kWh wirken sprunghaft, weil der Speichertausch im 13. Jahr fällig wird, bevor die Anlage ihren Preis eingespielt hat. Beschlossen ist die Novelle nicht — die erste Lesung im Bundestag ist für den 24.09.2026 angesetzt.
NPV oder Amortisation — welche Zahl zählt?
Amortisation: „Wann habe ich meine Investition zurück?” Intuitiv, ignoriert aber alles, was nach dem Break-even passiert.
Kapitalwert (NPV): „Was sind alle künftigen Zahlungen heute wert, minus Investition?” Rechnerisch korrekt, aber abstrakter.
Der Unterschied ist nicht akademisch, er kommt in unseren eigenen Zahlen vor: Bei 10 kWp und 4.500 kWh in Hamburg hat die Variante mit 5-kWh-Speicher den höheren Kapitalwert (+1.574 gegen +1.524 € ohne Speicher), amortisiert sich aber später (13,9 gegen 12,7 Jahre). Der Speicher kostet zuerst Geld, verdient es über die Jahre zurück, und der Tausch im 13. Jahr fällt in die Zeit vor dem Break-even. Im Szenario 2027 ist es umgekehrt: Dort amortisiert sich die Münchner Beispielanlage mit 5-kWh-Speicher schneller als ohne (11,6 gegen 13,1 Jahre) und hat auch den höheren Kapitalwert. Wer nur auf die Amortisation schaut, hält im Hamburger Fall den Speicher für schlechter, obwohl er über 20 Jahre knapp mehr einbringt; für die Frage „lohnt sich das?“ ist der Kapitalwert die belastbarere Zahl.
Unser Solar-ROI-Rechner zeigt beide Werte für die eigene Anlage.
Selbst-Check
Nach unseren Rechnungen ist eine Anlage wirtschaftlich unkritisch, wenn der Kapitalwert über 20 Jahre positiv ist und die Amortisation unter der angenommenen Speicher-Lebensdauer von 13 Jahren liegt — dann ist die Anlage bezahlt, bevor die erste große Ersatzinvestition fällig wird. In unserem Raster erfüllen das alle Varianten ohne Speicher außer einer (5 kWp bei 3.000 kWh in Hamburg, 13,1 Jahre) sowie alle 5-kWh-Varianten bei 4.500 kWh Verbrauch.
Grenzwertig wird es, wenn die Amortisation zwischen 13 und 20 Jahren liegt — typisch für 10-kWh-Speicher bei mittlerem Verbrauch. Rechnerisch nicht sinnvoll ist eine Konfiguration, die innerhalb von 20 Jahren nicht amortisiert; in unserem Raster ist das der 10-kWh-Speicher bei 5 kWp und 3.000 kWh in Hamburg.
Verschattung und Nordausrichtung haben wir nicht durchgerechnet. Unser Rechner nimmt eine unverschattete Fläche an; wer Verschattung hat, sollte sie vom spezifischen Ertrag abziehen, bevor er die Schritte oben rechnet.
Vertieft im Pillar-Artikel
Die Amortisations-Frage ist nur ein Baustein der Gesamt-Wirtschaftlichkeit. Im Pillar-Artikel Lohnt sich Photovoltaik 2026? findest du das vollständige Decision-Framework und alle Cluster-Themen verlinkt.
Quellen
- voltaplan Methodik — vollständige Berechnungs-Logik und bekannte Abweichungen
- voltaplan Solar-ROI-Rechner — eigene Anlage durchrechnen
- Einspeisevergütung 2026: die amtlichen Sätze — inklusive offenem Datensatz
- PVGIS — EU JRC — Strahlungsdaten-Quelle
- Fraunhofer ISE — Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland — Marktdaten